Frühling - wie sich das Wetter auf unsere Arbeitsleistung auswirkt

In der letzten Woche berichteten wir bereits darüber, ob und wie sich die Arbeitszeiten auf die Arbeitsleistung auswirken – heute möchten wir aufklären, ob es Frühjahrsmüdigkeit wirklich gibt, ob sich das Wetter nachhaltig auf die Arbeitsleistung auswirkt und wenn ja, wann unsere Produktivität am höchsten ist.

Ziehen wir hier mal ein paar Fakten zu Rate: Harvard forschte diesbezüglich nämlich bereits im Jahr 2015. Laut der Studie von Francesca Gino, Jooa Julia Lee Studentinnen der Harvard University und Bradley R. Staats, Student der University of North Carolina, geht eine höhere Produktivität immer mit schlechterem Wetter einher.
Doch warum ist das so? Sind wir, bei Regen und Wolkenfronten, wirklich unbewusst gewillt besser und schneller zu arbeiten? Das Fazit der Studie lautete eindeutig Ja!

Hier wurden Banker, einer japanischen Bank, über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren beobachtet, wie sie ihrer täglichen Arbeit nachgingen. Wichtig zu erwähnen, die Banker saßen nicht etwa in Fensterlosen Kellerbüros, sondern in einem Gebäude mit Glasfronten, durch welche das Wettergeschehen stets gut verfolgbar war. Die Leistung dieser Banker wurde dann mit den Wetterdaten des NCDC (National Climatic Data Center) verglichen und erzielte ein verblüffendes Ergebnis: bei der Erhöhung der Niederschlagsmenge um etwa 2,54 Zentimeter (1 Inch) erhöhte sich die Produktivität um 1,3 Prozent.

Allerdings war der Produktivitätsgewinn nicht besonders erheblich: die untersuchte Geschäftsstelle beschäftigte 111 Mitarbeiter, was bedeutet, dass die erhöhte Produktivität von 1,3% lediglich einer Arbeitsleistung eines zusätzlichen Mitarbeiters entsprach. Das beträgt also pro Kopf nur einem „Mehr“ an Arbeitsleistung von 0,009 Mitarbeitern.
Klingt so gar nicht viel – hochgerechnet auf 5.000 Angestellte bedeutet dies allerdings einen Gewinn von 937.500 USD pro Jahr. Nicht schlecht also, für 1,3% - sollte wohl doch mehr regnen.

2013 bereits wurde eine Studie des deutschen Meinungsforschungsinstitutes Forsa veröffentlicht, hieraus ergab sich ein ähnliches Ergebnis, wie aus der Harvard-Studie. Bei 30-Grad Celsius sinkt die Konzentrationsfähigkeit der Erwerbstätigen, mehr als jeder zweite gab sogar an, dann auch unproduktiver zu sein als sonst.
Interessant hierbei, den 18- bis 28-Jährigen (65%) schien die Hitze beim Arbeiten durchaus mehr zuzusetzen als den 50- bis 70-Jährigen (47%). Im Jahr 2012 hatte eine Umfrage des Unternehmens Captivate Network (US) unter 600 Angestellten gezeigt, dass es im Sommer zu einem Leistungseinbruch von 20% kommt und Abschlüsse von Projekten 13 Prozent mehr Zeit in Anspruch nehmen als zu kühleren Jahreszeiten.

Liegt der Effektivitätseinbruch an der Frühjahrsmüdigkeit? Oder doch an der Träumerei vom kühlen Bier im Biergarten mit Freunden? Wie alles, vermutlich an beidem.
Frühjahrsmüdigkeit ist im Übrigen wirklich real und keine alte Weisheit unserer Großmütter, die für alles einen Spruch auf den Lippen hatten. Die Ursachen hierfür sind zwar nicht vollständig geklärt und auch seriöse Wissenschaftliche Studien wollen von der Frühjahrsmüdigkeit gar nicht erst etwas hören, aber dennoch vermuten Experten das der Stoffwechsel und der Hormonhaushalt für die Müdigkeit verantwortlich sind. Durch äußere Bedingungen, wie Temperatur und Licht werden diese nämlich reguliert. Ein Erklärungsansatz wäre, dass die höheren Temperaturen den Blutdruck senken und dadurch die Müdigkeit fördern. Serotonin, bekannt als Glückshormon, so wie Melatonin, das Schlafhormon, werden auch als Auslöser vermutet.

Doch weshalb? Bei Kälte bildet der Körper mehr Melatonin, wird es wärmer wird diese Produktion gedrosselt und die Serotoninproduktion angekurbelt. Also müssten wir doch eigentlich weniger müde und viel Glücklicher sein?
Prinzipiell ja – doch unser Körper ist leider nicht so schnell, dass die Umstellung von heute auf Morgen von statten geht, sondern dauert etwas. In dieser Phase kommt bei einigen Menschen der Kreislauf nicht richtig in Schwung – die Frühjahrsmüdigkeit beginnt – und wirkt sich ebenfalls auf die Arbeitsleistung aus.

Am effektivsten arbeiten wir also in 90-minütigen Abschnitten bei Schietwetter. Die nächste Besprechung sollte dann also lieber auf Regentage verlegt werden, nur für den Fall, damit keiner der Kollegen beim Blick aus dem Fenster von Eiscreme & See träumt, anstatt sich mit den Themen der Besprechung zu beschäftigen.